Queere Themenwoche baut Brücken zwischen den Menschen.

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Der ländliche Raum, unendliche Weiten. Zwischen Feldern und Wiesen, den Tagebauen und einer Menge Wald lässt sich‘s gut leben - oder?

Die Fragestellung lässt vermuten, dass es mindestens zwei Seiten der Medaille gibt. Mit einem mutigen Motto legten sich in diesem Jahr Cottbuserinnen und Cottbuser zum 4. Christopher Street Day der Stadt die Karten. „Cottbus, wie bist du wirklich?“, lautete der Slogan, unter dem eine ganze Themen-Woche stand.

Der Christopher Street Day (CSD) hat seinen Ursprung in den Kämpfen und Straßenschlachten von Homo- und Transsexuellen im Jahr 1969 in der New Yorker Innenstadt. Hier traten Menschen an, um für ein diskriminierungsfreies Leben ohne Polizeirazzien und Willkür einzutreten. Die Demonstrationen weiteten sich aus und seitdem werden in vielen großen Städten CSD‘s veranstaltet. Der hier wohl bekannteste ist der CSD in Berlin, den Jahr für Jahr hunderttausende Menschen besuchen.
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Themen-Stammtisch - „Queer-Politik heute“
Mit einem Stammtischgespräch zogen die Jusos und Piraten Bilanz zu queeren Themen in der Politik. Lars Bergmann, Leiter der Landeskoordinierungsstelle für LesBiSchwule Belange des Landes Brandenburg informierte über die Entwicklungen und Problemlagen in Brandenburg. Es gibt noch viele Baustellen, die es anzugehen gilt. Vielfach diskutiert wurde z.B. die Frage, wie Fachkräfte im Bildungsbereich für queere und trans* Lebensweisen sensibilisiert werden können. Darüber hinaus debattierten die Teilnehmenden bzgtl. der Struktur und Finanzierung.

Special-CSD-Volxküche - lecker Essen und Kreatives
IMG 3732 protVolxküchen sind Orte, an denen Menschen für wenig Geld warmes Essen erhalten können. IMG 3728 protDas Hausprojekt in der Parzellenstraße war geöffnet, zauberte Kuchen in schillernden Regenbogenfarben und große Töpfe mit warmen Leckereien auf den Tisch. Ganz nebenbei wurden Gespräche zu queeren und trans* Themen geführt. IMG 3754 protHier entstand auch das Transparent für den CSD Cottbus.

Regenbogenflaggenhissung an der BTU
Die BTU ist ein Ort, wo sich vielfältiges Leben abspielt. Hier treffen täglich Menschen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein können. Auch queere und trans* Menschen sind am Bildungsstandort willkommen. IMG 3768 protDie Koordinatorin des Diversity-Teams Birgit Berlin machte deutlich, dass mit dem Zeichen der Regenbogenfahne ein wichtiges Zeichen für die BTU und die Stadt Cottbus gesetzt wird. Die Regenbogenfahne ist das Symbol der Homosexuellenbewegung und gilt als Signal für ein tolerantes und diskriminierungsfreies Miteinander.
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Rainbow Flashmob auf dem Cottbuser Altmarkt

Der Flashmob ist ein Phänomen, dass zu politischen Aktionen gern kreativ eingesetzt wird. Ganz plötzlich stehst Du in Mitten einer Menschenmenge, die sich zuvor (meist online) verabredet hat. Das besondere an einem Flashmob ist: So schnell, wie er da ist, ist auch wieder verschwunden. Alle Teilnehmenden gehen auf ein Signal hin, ihrem täglichen Leben nach, packen die mitgebrachten Utensilien wieder ein, so als wäre nix gewesen. So ähnlich hatten sich auch die jungen Leute der Jusos verabredet und im Vorfeld über Facebook und Twitter für den Flashmob auf dem Altmarkt in Cottbus geworben. Ziel war es, auf den Altmarkt zu kommen, einen Luftballon in einer der Farbe des Regenbogens aufzupusten und sich dann in die richtige Farbreihenfolge (wie bei der Regenbogenflagge) vor den Springbrunnen zu stellen. Wie Du auf dem Foto sehen kannst - es hat geklappt. Im Nachgang verabredeten sich die Teilnehmenden zu einem Kaffee in der Esscobar.

IMG 3855 prot„Drag oder Trans“ - die Lesung zum CSD Cottbus
Der AIDS-Hilfe Lausitz e.V. lockte Interessierte mit einer spannenden Lesung in das Quasimono. Die Studentenkneipe wurde Teil einer Veranstaltung, die sich mit unterschiedlichen Geschlechterrollen und den Schubladen unserer Gesellschaft beschäftigte. Männer und Frauen sind Kategorien, die geschaffen wurden. Nicht jeder Mensch passt in diese Form; es gibt mehr, viel mehr. Kris lebt dazwischen und las für uns aus „Trans Liberation“. Mit ernstzunehmendem Humor erfreute Lars die Teilnehmenden. Das Buch „Am I Blue?“ gab anlass über Haltungen und Normen nachzudenken. Im Anschluss an die Lesung diskutierten die Gäste eifrig um die Fragen geschlechtlicher Identität.

IMG 3880 protpolitischer Diskussionsabend - „Cottbus, wie (liberal | homophob | weltoffen) bist Du wirklich?“
Wie stellt sich die Lebenswirklichkeit von Homo-, Bi-, Trans- und Intersexuellen in Cottbus und dem Landkreis Spree-Neiße dar? Welche Anti-Diskriminierungs- und Aufklärungswerkzeuge setzt die Kreisverwaltung und kommunale Einrichtungen ein? Mit einer Veranstaltung der FDP-Fraktion im Landtag Brandenburg stellten sich Interessierte einer interessanten Diskussion im Pressecafé DoppelDeck.

2012 Stadt Land Fluss SLF Presse 01 webFilmabend - „Stadt Land Fluss“ im OBENKINO
Eine Lehre in einem Betrieb der Landwirtschaft zu machen ist doch schon schwer genug. Landmaschinen fahren, den Boden bereiten, Kühe auf die Weide treiben. Wenn dann auch noch die gleichgeschlechtliche Liebe ins Spiel kommt, geht‘s mit den Gefühlen bergauf und bergab. Zwischen Angst, Lust und Selbstzweifel bewegen sich zwei Jungs im Land Brandenburg. Der Film zeichnete auf eine wundervoll realistische Art und Weise den ländlichen Raum nach und bediente sich einer Filmsprache, die von den Teilnehmenden als sehr gelungen gelobt wurde. Das OBENKINO war gut besucht. Viele bekannte Gesichter zog es in den Film, der hier und da für ein Lachen sorgte.
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Kundgebung, Demo und Regenbogenflaggenhissung am Rathaus + Straßenfest & Rainbowparty

Der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski erklärt in seinem Grußwort „Vielfalt ist für uns in Cottbus ein Gewinn – egal ob es um sexuelle Orientierung, Herkunft oder Religionszugehörigkeit geht. Es gilt, diese Vielfalt zu entdecken, anzuerkennen, zu fördern und ihre Vorteile zu nutzen.“ Diese Worte unterstrich die Beigeordnete für Bauwesen Marietta Tzschoppe in ihrer Ansprache.  Es solle sich für jeden lohnen, in Cottbus gut zu leben, so die Vertretin der Stadt Cottbus. Der 4. CSD in ihrer Stadt sei ein wichtiges Zeichen, um für eine weltoffene Stadt und ein Klima des gegenseitigen Respekts und der Toleranz zu erhalten. Mit einer feierlichen Kundgebung eröffnete der Veranstalter AIDS-Hilfe Lausitz e.V. die Demo zum CSD.
IMG 4004 protSchwester Dominique, eine schwule Nonne vom Orden der Schwestern der perpetuellen Idulgenz spendete universelle Freude und segnete die Veranstaltung. Der Orden sammelt seit 1979 Geld für HIV/AIDS-Projekte und ist mittlerweile in der ganzen Welt verbreitet.
IMG 4337 protRund 120 Menschen waren zur Kundgebung gekommen. Renate Müller, Vorstandsvorsitzende der AIDS-Hilfe war begeistert, denn mit so vielen Teilnehmenden hatte sie nicht gerechnet. Dank der langen Vorbereitungszeit, die ersten Gespräche liefen im Januar diesen Jahres, war es gelungen, viele Menschen zu mobilisieren. Auch die Medienlandschaft hat geholfen, die CSD Woche bekannter zu machen. Gemeinsam zogen die Demonstranten durch die Cottbuser Innenstadt. Voran fuhr das „Glitzermobil“, dass in mühevoller Kleinarbeit geschmückt und gestaltet wurde. Teilnehmende griffen beherzt zu Regenbogenfahnen und Luftballons.
Die Demo endete am Jugendkulturzentrum Glad-House. Hier begann das Straßenfest. Musik, Kunst und Leckereien vom Grill oder Kuchen waren organisiert worden.  Nikko Moss von der Band Courage + Craft sagte: „Wir können glücklich sein, dass wir hier leben dürfen.“ Die junge Sängerin stammt aus San Francisco und setzt sich mit ihren Liedern für die Liebe zwischen den Menschen ein.

Elke R. Steiner, Illustratorin und Comiczeichnerin aus Berlin zeichnete den ganzen Tag. Über ihre Schulter schauten Interessierte. Die Künstlerin skizzierte Eindrücke, Momentaufnahmen und entwickelte viele bunte Bilder, die sie am Ende des Tages dem Veranstalter übergab. 
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Stella Destroy und Amaro Wunderlich tanzten mit den Gästen bis in den Morgen. Sie lieferten ein tolles Unterhaltungsprogramm. DJ Scampi aus Köln rockte den Saal bis in den Morgen.

Das Projekt „4. CSD Cottbus“ wurde gefördert im Rahmen des Bundesprogramms „Toleranz Fördern - Kompetenz Stärken“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und dem Lokalen Aktionsplan Cottbus.
Informationen zum CSD unter

www.csd-cottbus.info

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Text: Christian Müller  -  Fotos: Stefan Fiedler | Salzgeber.de