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Der Christopher Street Day in Cottbus erreichte am 20. September zur CSD Demo, dem Straßenfest und der anschließenden Regenbogenparty im Glad-House seinen Höhepunkt.

Vorausgegangen war die Prideweek, eine Aktionswoche, in der kleine Veranstaltungen in Cottbus und dem Spree-Neiße Landkreis auf die Belange von Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Intersexuelle und queere Menschen (LSBTIQ) aufmerksam machen sollten.

2014 Firmen f Akzeptanz BTU ZentralcampusDie Woche begann mit einer feierlichen Eröffnung an der BTU in Cottbus. Die Regenbogenflagge, das Zeichen der seit 1978 andauernden Homo- und Trans*bewegung, wurde dabei gen Himmel gezogen.  Geflaggt, gehisst und aufgehängt wurde das Fähnchen an zahlreichen Orten in Cottbus und im ländlichen Raum, denn die CSD Aktivisten hatten den Fokus im besonderen auf Firmen/Organisationen gerichtet, die Position beziehen und sich solidarisch zeigen konnten. Hier waren nicht nur die Cottbuser_innen gefragt. Rund 50 von angesprochenen 80 haben sich an der Aktion beteiligt.

2014 Firmen f Akzeptanz LASV02 webHintergrund dieser Aktion ist ein Problem: Menschen, die nicht heterosexuell sind, laufen am Arbeitsplatz oder in der Berufsausbildung nicht selten Spießruten. Mobbing, Diskriminierung und Gewalt gehören zu ihrem Alltag. Nicht selten führen diese Menschen ein Doppelleben und tun so, als wären sie heterosexuell, um nicht aufzufallen. Sie verstecken sich und führen ein an den Normen der Mehrheitsgesellschaft angepasste Leben.

Mit der Aktion sollten Firmen/Organisationen Gelegenheit erhalten, in den eigenen Reihen fragen zu stellen und Prozesse anzustoßen um Probleme abzubauen. Hierbei reicht es eben nicht, eine Richtlinie oder Verordnung im eigenen Hause zu erlassen, die dann nur auf dem Papier steht. Auch hier muss die Frage gestellt werden: Wie leben wir in unserer Firma/Organisation Akzeptanz gegenüber Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Intersexuelle und queere Menschen am Arbeitsplatz?
2014 Firmen f Akzeptanz Landkreis SPNDie Regenbogenfahne hing auch an zahlreichen Amtshäusern, so z.B. in Döbern, Burg (Spreewald), Peitz und Spremberg.  Soziale Träger, wie der Nix e.V. in Forst/Lausitz, der Jugendhilfe Cottbus e.V., das Humanistische Jugendwerk  Cottbus e.V. und der Berlin-Brandenburgische Landjugend e.V. in Teltow zeigten ebenfalls Flagge.

Gespräche, Filme, kreative Angebote, fachlicher Diskurs und mehr waren dicht an dicht in der Prideweek vertreten.

eine bewegende Demo...

Zur Kundgebung am Cottbuser Rathaus am Samstag kamen dann 140 Teilnehmende aus Cottbus, dem Landkreis Spree-Neiße, aus umliegenden Dörfern und Gemeinden und von weiter her, um Gesicht zu zeigen.

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Und genau darum ging es beim CSD Cottbus. Gesicht zeigen, sichtbar werden und gemeinsam ein bisschen mehr frei sein. IMG 8005Es ging um Liebe, in Cottbus, im ländlichen Raum und auch weltweit.

Die Veranstaltung eröffneten Miss Cherry Moonlight und Berndt Weiße. Der Sozialdezernet der Stadt Cottbus verlas das Grußwort des Oberbürgermeisters Szymanski. Gemeinsam mit den CSD Botschaftern wurde ein fliegender Regenbogen aus bunten Luftballons gen Himmel geschickt.

IMG 8043"Niemand darf aufgrund der sexuellen Identität benachteiligt werden. Die Realität sieht unglaublich anders aus", sagte Lars Bergmann, Leiter der Landeskoordinierungsstelle für LesBiSchwule und Trans* Belange des Landes Brandenburg. Täglich erfahren LSBTIQ-Menschen Diskriminierung, Mobbing und Gewalt. Bergmann forderte die Stadt Cottbus auf, sich auch weiterhin solidarisch zu zeigen und sich stärker als bisher zu beteiligen.

IMG 8016Zu den Demogästen zählten unter anderem auch die Schwestern vom Orden der Schwestern der Perpetuellen Idulgenz (O.S.P.I.). Die auffällig geschmückten Ordensfiguren segneten die Veranstaltung feierlich. Die Nonnen des 21. Jahrhunderts verbreiten ehrenamtlich universelle Freude, haben ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte, bieten Sündenablass und Segen. Sie verteilen Safer-Sex-Material und sammeln Spenden für Menschen die von HIV/Aids betroffen sind.

Die Demo verlief friedlich, wenngleich vorbeifahrende Autofahrer_innen auch ihr Missfallen deutlich signalisierten. Zahlreiche Fußballfans, die im FC Energiestadion zu einem Heimspiel unterwegs waren, zogen durch Cottbus.

IMG 8144Am Staatstheater angekommen, entrollten die Aktivisten der Initiative ENOUGH IS ENOUGH aus Berlin, eine riesige Fahne. Die Ordensschwestern riefen zu einem Moment des Schweigens auf. Ein Moment der Stille setzte ein. Denen zu erinnern, die aufgrund von Aids gestorben waren, die Opfer von Hassverbrechen geworden waren oder sich selbst des Leben nahmen, weil sie Diskriminierung, Mobbing und Gewalt nicht mehr ausgehalten hatten, war ein bewegender Moment.

Die Demo zog durch die Innenstadt. Es ging vorbei am Blechen Carré, bis zum Brandenburger Platz. Von dort aus schlängelte sich die Demo zum Altmarkt, wo viele Schaulustige bei Eis und Kaffee saßen und winkten. Der Zug verlief durch die Spremberger Straße bis zum Turm und dann bis zum Jugendkulturzentrum Glad-House.

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entspannen, mitmachen, chillen... ein Straßenfest für alle

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Auf dem Straßenfest gab es neben Leckereien vom Grill und Getränken, auch Möglichkeiten zum Mitmachen. Bodypainting und Graffiti waren beliebt.

IMG 8559Im Glad-House verzauberte Nicole Yazolino die Zuhörenden mit ihrer Stimme. Wer ihr lauschte, vergaß für einen Moment den Alltag, den Streß der letzten Tage und war wie gebannt.

IMG 9021Ebenso beeindruckte die Band "Das Wunder von Bernd." die Zuschauer_innen. Die Künstler_innen hatten sichtlich Spaß. Auch ganz kleine Teilnehmer_innen stiegen auf die Bühne und zeigten ihr Können.

Derweil gestaltete die Comiczeichnerin Elke R. Steiner große Blätter. Sie hatte zahlreiche Skizzen live mitgezeichnet, die jetzt auf Flipchartpapier gebracht wurden. Die Künstlerin war aus Berlin angereist und hatte bereits zu den vergangenen CSD's ihr Können unter Beweis stellen können. Viele Bilder sind seitdem entstanden; einige hingen im Glad-House.

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Eine Party im Zeichen des Regenbogens...

IMG 8709Knapp 300 Gäste waren zur Regenbogenparty ins Glad-House gekommen. Hier kam der Spaß nicht zu kurz, hier wurde geflirtet, getanzt und gemeinsam gefeiert. Gloria Viagra, die große Transe aus Berlin eröffnete die Party mit den Worten: "Toleranz ist uns zu wenig, wir wollen mindestens Akzeptanz." Es ginge vor allem um Respekt, sagte die Drag Queen. Das Rockermädchen mit dem Schnauzer mahnte, man möge sich auch an die eigene Nase fassen, wenn der Kampf gegen Diskriminierung eröffnet würde; auch lästern sei respektlos. 

IMG 8851Die Party kam in Gang. DJ Scampi ließ die Tanzfläche nicht erkalten. Immer wieder stiegen Gäste zu ihm auf die Bühne um Wünsche zu äußern. Von Rock, Elektro bis zu Schlager war alles vertreten. Die Musik dürfte so vielfältig gewesen sein, wie die Menschen, die an diesem Tag zur Party gekommen waren.

Fazit

Der 6. CSD Cottbus war ein friedvolles Ereignis. Die Veranstalter können zufrieden sein. Noch nie haben so viele Regenbogenflaggen auf den CSD im Süden Brandenburgs aufmerksam gemacht, noch nie waren so viele Menschen zur Demo ans Rathaus gekommen. Und, noch nie haben sich im Vorfeld so viele Aktive um die Vorbereitungen gekümmert. Mit diesem Christopher Street Day dürfte ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen sein. Und wir träumen schon heute von unserem nächsten im kommenden Jahr.

SAVE THE DATE, der nächste CSD findet am 11. Juli 2015 statt.

CSD Video | Demo, Straßenfest und Regenbogenparty | Langversion