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Akzeptanz an allen Ufern?! - CSD Demo und Straßenfest

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Der CSD Cottbus e.V. veranstaltete am 30. Juni 2018 eine CSD-Demo anlässlich des 10. CSD Cottbus & Niederlausitz. Die Kundgebung stand unter einem guten Stern, denn rund 300 Demoteilnehmende waren an die Cottbuser Stadthalle gekommen, um gemeinsam friedlich für Akezptanz und Respekt von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*, Inter* und queeren Menschen (LSBTIQ*) unter dem Motto "Akzeptanz an allen Ufern?!" auf die Straße zu gehen. Die Sonne schien und gute Stimmung machte sich breit.

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Für die Stadt Cottbus überbrachte Thomas Bergner, der Leiter des Geschäftsbereichs II - Ordnung, Sicherheit, Umwelt und Bürgerservice ein Grußwort in Vertretung der Bürgermeisterin und CSD-Schirmfrau Marietta Tzschoppe. Die Drag Queen Miss Cherry Moonlight und AIDS-Hilfe Lausitz Maskottchen Storch Viktor waren begeistert, denn so oft ist dieser Platz in der Stadt Cottbus nicht so bunt und vielfältig. Stadtvertreter_innen, Kunstfiguren, CSD Botschafter_innen und Vertreter_innen verschiedener Kulturen standen Schulter an Schulter vor der Stadthalle.

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Das folgende Grußwort von Miss Cherry Moonlight wurde in sorbischer, englischer, russischer, persischer und arabischer Sprache übersetzt.

Grußwort - Miss Cherry Moonlight

Liebe Mitmenschen, vielen Dank, dass ihr heute hier seid. Heute findet der Christopher Street Day in Cottbus statt. Diese Demonstration steht unter dem Motto „Akzeptanz an allen Ufern?!“. An über 200 Orten in Cottbus und darüber hinaus wehen seit 2 Wochen die Regenbogenfahnen. Die Fahnen stehen für Akzeptanz und Respekt gegenüber Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Inter* und queere Menschen. Wir freuen uns, dass wir alle heute hier stehen dürfen. An diesem Ort der Welt ist Frieden. Hier sind die Menschen frei. Lasst uns diese Freiheit bewahren. Lasst uns heute mit Regenbogenfahnen durch Cottbus gehen, um für mehr Akzeptanz und Respekt an allen Ufern zu werben.

In über 70 Ländern der Welt werden Homosexuelle verfolgt, weil sie gleichgeschlechtlich lieben. In acht Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen wird die Todesstrafe für Homosexualität verhängt: im Iran, in Saudi-Arabien, in Jemen und im Sudan, zudem in bestimmten Regionen von Somalia und Nigeria sowie durch in einigen vom "Islamischen Staat" besetzten Gebieten im Irak und Syrien. In fünf weiteren Staaten steht die Todesstrafe zumindest noch auf dem Papier: Pakistan, Afghanistan, Vereinigte Arabische Emirate, Katar und Mauretanien.

Wir stehen für eine vielfältige und gerechte Gesellschaft, in der Menschen gut miteinander leben können, sich wechselseitig helfen und ihre Konflikte gewaltfrei lösen können. Wir stehen für eine Gesellschaft, in der materielle, soziale, politische und kulturelle Ressourcen gerecht verteilt werden und Menschen sich gegenseitig als jeweils individuelle Wesen anerkennen, respektieren und akzeptieren. Wir stehen für Mitmenschlichkeit. Wir stehen ein für Queergerechtigkeit.

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Der Stadthallenvorplatz war bunt gefüllt. Viele hatten Regenbogenfahnen dabei, selbst gebastelte Transparente leuchteten im Sonnenschein und so manch politische Forderung war unübersehbar.

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Hoch auf dem Wagen begleiteten Eva laBosse und Trudi Padma Knusprig das Demovolk mit viel Musik und politischen Statements.

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Auch in diesem Jahr wurde die große Fahne der Organisation Enough is Enough! mitgeführt. Die Fahne besteht aus vielen Nationalfahnen. Die Fahnen stehen stellvertretend für die Länder, in denen Homosexualität durch den Staat verfolgt wird und Menschen um ihre Freiheit und ihr Leben fürchten müssen, weil sie homosexuell sind.

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Die Demo zog durch die Innenstadt und machte Halt am Staatstheater.

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Miss Cherry Moonlight verkündete gute Nachrichten. Immerhin hatten die zwei CSD-Aktionswochen zahlreiche schöne und emotionale Momente hervorgebracht. Besonders freute die Drag Queen, dass sich 230 Organisationen an der Regenbogenfahnenaktion "Wir für Akzeptanz" beteiligt hatten und auch am Staatstheater die Regenbogenfahne im Wind wehte. Außerdem gab es Grund für Jubel und Applaus, denn noch nie hatte der CSD so viel öffentliches Geld zur Verfügung, um Bildungsarbeit in Cottbus und der Niederlausitz machen zu können. Mit 22.400 Euro konnte so einiges auf die Beine gestellt werden.

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Trotz all der positiven und freudigen Mitteilungen war es auch an der Zeit, inne zu halten und sich selbst zu besinnen. Je größer die Vielfalt, desto sicherer der Frieden. Dieser Satz stand auf einem Transparent und mahnte, gut auf unsere Werte und errungenen Freiheiten Acht zu geben. "Denkt bitte daran, dass wir hier ziemlich priviligiert sind. Wir können hier stehen und uns freuen. In anderen Ländern werden Menschen für das halten der Regenbogenfahne verfolgt, verhaftet und sogar umgebracht", sagte Miss Cherry Moonlight. Mit einer Schweigeminute erinnerten die Demoteilnehmenden den Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und Liebe bedroht, gefoltert, verschleppt und getötet werden.

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 Mit wehenden Fahnen ging es auf zum Erich Kästner Platz.

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 "Macht euch breit. Flutet den Erich Kästner Platz mit Regenbogenfahnen", sagte Miss Cherry Moonlight. Die Drag Queen beschrieb, was im vorigen Jahr passiert war.

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Der Oberbürgermeister hatte das Hissen der Regenbogenfahne am Erich Kästner Platz untersagt, um das Fahnehissen steuerbar zu behalten. Er bezog sich auf die Landesflaggenverordnung. Demnach hing 2017 erstmals keine Fahne am Platz. In diesem Jahr hatten SPD, Linke und Grüne einen gemeinsamen Antrag in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht und mit einer leichten Mehrheit das Fahnehissen erzwungen. Da die Fahne nun am Erich Kästner Platz hing, gab's Jubel und Applaus. "Ich wünsche mir, dass die Stadt Cottbus einen Weg findet, dass die Fahne im nächsten Jahr ganz selbstverständlich zum CSD aufgehängt wird, ohne einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung," sagte Miss Cherry Moonlight.

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Die Demo zog weiter in Richtung Altmarkt. Bei bestem Wetter hatten es sich hier viele Menschen bei Kaffee und Eisbecher gemütlich gemacht. Der Altmarkt war gut besucht.

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Hier wurde erneut das Mikro gegriffen. Lars Bergmann, der Leiter der Landeskoordnierungsstelle verlas sein Grußwort.

Grußwort - Lars Bergmann, Leiter der Landeskoordinierungsstelle für LesBiSchwule Belange des Landes Brandurg

Aktivist_innen! Der CSD war in seinen Anfängen nicht nur ein Befreiungsschlag für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, vielmehr noch war Stonewall ein Aufstand gegen die biedere Selbstzufriedenheit einer, an sich selbst satt gewordenen homosexuellen Mittel- und Oberschicht, die zu jeder Zeit die nötige Anpassungsfähigkeit besaß und auch heute besitzt, um mit dem Strom der Zeit zu schwimmen.

Die Revolutionär_innen des Stonewall-Aufstandes waren der ignorierte und unangepaßte Teil des queeren Spektrums, der von Polizeigewalt, Rassismus und sexueller Ausbeutung, Armut und Willkür ebenso gequält wurde, wie von der Ausgrenzung der bürgerlichen Homosexuellen, die in ihnen nur den schmuddeligen Rest einer unerwünschten Halbwelt sahen.

Stonewall war der Aufbruch von unten in eine basisdemokratische Emanzipationsbewegung, die bald weit über die Grenzen der USA hinaus Hoffnung auf ein Ende der Kriminalisierung und des Stigmas, der Gewalt und der Diskriminierung weckte.

Und in der Tat lassen sich die Erfolge sehen: Ehe für Alle, Diskriminierungsverbote, Aktionspläne, breite gesellschaftliche Bündnisse gegen Homo- und Trans*phobie haben sich in den vergangenen Jahrzehnten gebildet und treiben kraftvoll die Bemühungen um die Beseitigung von Diskriminierung und Gewalt und die Öffnung der Gesellschaft für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt voran.

Dabei wird oft vergessen wie mühselig das Engagement und wie langdauernd die politischen Forderungen gestellt werden, bis der Staat, bis sich Gesellschaft bewegt. Dem hiesigen Aktionsplan gingen etliche Jahre, unzählige Papiere und Diskussionen voraus, bis die Regierung dem Thema nicht mehr ausweichen konnte.
Es wurde und wird uns freilich nichts geschenkt.

Es kann, um Bertold Brechts Wort abzuwandeln, die Befreiung der Queers von Ausgrenzung und Gewalt und Diskriminierung nur das Werk der Queers sein.
Zugleich werden die Zeiten rauher. Hier in Cottbus ist in den vergangenen Monaten mehr als Anderswo im Land spürbar geworden, wie es sich anfühlt, wenn rechte Parteien und Gruppen die Ängste der Bevölkerung erst aufpeitschen und sie dann politisch für ihre Zwecke benutzen. Angst war und ist das Instrument, mit der jede totalitäre Bewegung das Volk anstiftet, gegen die Minderheiten der Gesellschaft im Dienste eines vorgeblich besseren Morgens oder Gesterns vorzugehen.

Es war immer Lüge und ist es auch jetzt. Es ist nicht die leuchtende Zukunft, sondern die finstere braune Vergangenheit, die heraufbeschworen wird, mit all ihren verabscheuungswürdigen, menschenverachtenden Seiten. Sie hüllt die Gesellschaft in dunklen Fanatismus, der unausweichlich zu Mord und Totschlag führen muß.

Es ist die hässliche Fratze des Faschismus, die uns in Reden, Beiträgen und Facebook-Posts entgegenschlägt und wir sind heute mehr denn je aufgefordert, Rückgrat und Haltung zu beweisen, wenn über Flüchtlinge gehetzt wird, wenn queere Menschen beleidigt und geschlagen werden, wenn verdeckt und offen zu Mord und Totschlag an Andersdenkenden aufgerufen wird.

Wir dürfen nicht schweigen und uns wegducken, wenn diejenigen, die sich für Gerechtigkeit, Frieden, Solidarität und Vielfalt einsetzen um Leib und Leben fürchten müssen.

Es gibt im Schlechten nichts Gutes!

Wir wollen keinen Rassismus, keinen Nationalismus, keinen Fremdenhass, keine Homo-, Bi- und Transphobie. Wir wollen keine Faschisten, nicht hier und nirgendwo.

Es ist an uns, gleich ob wir Politiker_innen, Aktivist_innen, Sympathisant_innen, Freund_innen, Arbeiter_innen, Angestellte, Akademiker_innen oder Künstler_innen sind, für die Demokratie, für eine solidarische Gesellschaft in der alle Menschen ihr Glück finden und für die Freiheit einzutreten. Es ist an uns, laut und mutig unsere Meinung zu äußern und denen die Angst und Haß schüren, aber auch denen die ihnen hinterherlaufen, Einhalt zu gebieten.

Die auf Führerstaat und Faschismus gemünzte blauangestrichene braune Propaganda wird nur dann ihr Ziel nicht erreichen, wenn wir in dieser Frage einig sind und über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt hinaus gesellschaftliche Bündnisse schmieden.

Diese Werte glaubhaft zu vertreten setzt voraus, daß wir auch in unserer Arbeit innerhalb unserer Community dieselben Wertmaßstäbe anlegen und verteidigen. Solange sich einige Wenige von uns auf Kosten und vor allem zum Schaden unserer Community als Heilsbringer aufspielen, solange auch in unseren Zusammenhängen nicht Solidarität, sachliche Argumente und gegenseitige Wertschätzung die unveräußerlichen Grundprinzipien sind, sondern Egoismus, Ausgrenzung, Zersetzung, Shitstorms und Hatespeech, solange wird auch diese Community an sich selbst leiden und nicht anschlußfähig sein.

Ich möchte an diejenigen, die zu dieser garstigen Situation beitragen heute folgende Mahnung richten:

Ihr scheut Euch nicht, wichtige Veranstaltungen wie diesen CSD Cottbus für Euer Geltungsbedürfnis zu vereinnahmen. Ihr besitzt die unglaubwürdige Vermessenheit, Euch mit der LSBTIQ-Community des Landes Brandenburg zu verwechseln, wo vielleicht recht bald der Augenblick gekommen ist, da dieser Community Alles daran gelegen sein wird, nicht mit Euch verwechselt zu werden. Es ist eine Frage der Glaubwürdigkeit, ob wir es bewerkstelligen, daß die Werte, die wir nach außen vertreten auch für unser Innenleben uneingeschränkt Geltung besitzen. Dazu gehört Courage und Empathie und gleichfalls das Aushalten der Unterschiedlichkeit unter uns allen, während wir für die gleichen Ziele kämpfen.

Der CSD Cottbus ist hierfür ein ermutigendes Beispiel und insofern freue ich mich heute hier mit Euch zum 10. Mal die Demonstration zum Christopher Street Day in Cottbus zu eröffnen. Ich wünsche Euch und uns weiterhin soviel Mut und Engagement, Schöpferkraft und Durchhaltevermögen und Kampfgeist, zu tun, was die Vielfalt in jeder Hinsicht stärkt und zu sagen was der Vielfalt zur Ehre gereicht und zu verhindern, was diese Vielfalt in Gefahr bringt.

Denn eines ist sicher: Je stärker die Vielfalt, desto sicherer der Frieden!

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Die Demo endete am Jugendkulturzentrum Glad-House. Hier warteten gekühlte Getränke, Leckereien vom Grill und kleine Mitmachaktionen, wie Graffiti oder Bodypainting auf die Gäste. Ab 22.00 Uhr begann die CSD-Rainbow-Abschlussparty.

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Immer wieder werden wir gefragt: "Was habe ich verpasst? Was macht ihr gerade?" Wir führen ein kleines Blog-Tagebuch. Hier werden wir aktuelle Infos mit Dir teilen.

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Vorsitzender
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